Die agra 2013

..., die größte Agrarfachmesse Ostdeutschlands ist vorbei. Besucher und Aussteller gehen zufrieden vom 10.000 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände in Leipzig.

Wir wagen den Rückblick, fassen zusammen, was war versprochen, was wurde gehalten? Wie kam die agra 2013 beim Fachpublikum an, wie bei den Ausstellern? Mit Fakten und Stimmen laden wir Sie dazu ein, die Messe noch einmal Revue passieren zu lassen. Interessierte, die die Messe wegen des langen Winters nicht besuchen konnten, bringen wir gern auf den neusten Stand.

agra 2013 - größte landwirtschaftliche Messe im Osten Deutschlands

Alle zwei Jahre lädt Leipzig zu einer besonderen Fachmesse ein, zur agra. Die Landwirtschaftsschau agra zählt als größte Fachmesse der Landwirtschaft im Osten Deutschlands. Im Jahr 2013 fand sie vom 25.04.2013 - 28.04.2013 statt.

agra 2013 - was war angekündigt?

Basierend auf den Zahlen von 2011 gingen die Veranstalter von etwa 50.000 Messebesuchern in den vier "heißen" Messetagen aus. Als Aussteller hatten etwa 900 Anbieter zugesagt fest zugesagt, wie es damals in der Presse hieß. Fachlich hohes Niveau, getragen durch Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Polen und Tschechien war angekündigt.

Als Schirmherr der agra 2013, ließ sich der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt gewinnen. Versprochen war Landwirten ein einzigartiges geballtes Informationsangebot. Neueste Technik würde präsentiert. Außerdem Informationsveranstaltungen rund um die Fragen und Bedürfnisse moderner Landwirtschaft mit hochkarätigen Referenten. Informieren konnten sich Landwirte von der Pflanzenzucht, Tierzucht und Haltung, Lagerung bis hin zu zur Verarbeitung.

Ein weiterer wichtiger Themenkreis betraf die moderne Direktvermarktung an den Verbraucher. Der Nachwuchs würde seinen Informationsdurst über moderne Ausbildungsberufe für die Landwirtschaft im agra-Campus stillen können.

Was war für Nicht-Landwirte geplant?

Für den Nicht-Landwirt war vor allem ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant. Tierschauen wurden präsentiert. Technikvorführungen würden den technischen Fortschritt in der Landwirtschaft praxisnah demonstrieren. Zum Unterhaltungsprogramm zählte außerdem eine Kochshow, die den Appetit anregen und zum Nachkochen motivieren sollte.

agro 2013 - Fakten und Zahlen

Der Winter 2013 war länger als üblich. Viele Landwirte waren zum Messetermin auf ihren Feldern "gefesselt". Auf der agro 2013 daherlagen die Besucherzahlen unter dem geplanten Ziel. Insgesamt zählten die Veranstalter 46700 Besucher - rund 3600 weniger als zwei Jahre zuvor. Immerhin war die Veranstaltung aus Besuchersicht ein voller Erfolg. 93 Prozent aller Befragten sahen ihre Erwartungen von der Messe als vollständig erfüllt an.

Mit 90 Prozent Fachpublikum erreichten die Messeveranstalter genau ihr gesetztes Ziel. Über den gesetzten Erwartungen lag die Anzahl der Aussteller auf der agro 2013. Insgesamt stellten nicht nur 900, sondern sogar 970 Anbieter ihre Waren und Dienstleistungen dem Fachpublikum vor. Der zusätzliche Anstieg an Ausstellern geht auf internationale Neukunden zurück. So stellte beispielsweise erstmals der Traktorenhersteller "Solis International Tractors Ltd" aus Neu-Delhi auf der Messe aus.

Mit dem Messeergebnis zeigte sich der Traktorenhersteller, nach seinem Debüt in Leipzig, außerordentlich zufrieden. Der General Manager International Business, Sudhanshu Agrawal, bezeichnete seine Erwartungen als deutlich übertroffen. Er sagte schon auf der Messe sein Kommen für die nächste agra voraus. Zufrieden dürfen in der Gesamtbetrachtung alle Aussteller mit dem eigenen Messeergebnis gewesen sein.

20 Prozent der Fachbesucher schlossen, nach eigenen Angaben, auf der Messe Geschäfte ab. Hinzu kam ein 63 Prozent großer Anteil Besucher, die noch im gleichen Jahr, größere Investitionen planen. Über das Messe-Nachgeschäft liegen zwar keine verlässlichen Zahlen vor. Aber angesichts der hohen Investitionsbereitschaft dürfte sich, im Nachgang zur agra 2013, noch so mancher Nachläufer ergeben haben.

Highlights der agra 2013

An Highlights fehlte es der agra 2013 nicht. Geboten wurden Höhepunkte in der Landmaschinentechnik und bei forstwirtschaftlichen Produkten. Als "tierisch interessant" ließ sich die umfassende Leistungsschau der Tiere, die heute auf dem Bauerhof leben, beschreiben. Zukunftsorientierte Höhepunkte lieferte der agra-Campus durch Berufsinformationen und Fachvorträge.

Das erste herausstechende Highlight, was wir durch einen Faktencheck näher beleuchten werden, steht für geballte Erntekraft. Wenn sich 850 Pferdestärken in 12 Zylindern und 21 Litern Hubraum ins Zeug legen, dann ist keine Herausforderung zu groß. (Motor BR1600 von MTU). Vorgestellt wurden auf der agra die beiden neuen Katanas von Fendt.

Der neue Fendt-Häcksler Katana 85 ist die Antwort auf die Herausforderungen moderner Landwirtschaft. Beeindruckend sind auf den ersten Blick natürlich die Dimensionen der 18 Tonnen schweren Maschine (ohne Vorsatz). Wie groß die Erntemaschine tatsächlich im Verhältnis zum Menschen ist, lässt sich durch die Bereifung - 710/70 R 42 - erahnen. (206 cm Durchmesser).

Der Preis in der Vorbestellung, frühester Liefertermin 2014, spricht ebenfalls schon eine deutliche Sprache. 460.000 Euro kostete die Maschine auf der Messe - in der Grundausstattung ohne Erntevorsatz.

Viel Leistung - wenig Durst

Fendt schafft mit den neuen Katanas 85 und 65 Technik, die mit höchster Energieeffizienz pro Hektar, unabhängig vom Häckselgut wirb. Auf der agra 2013 war wahrscheinlich die häufigste Frage, wie können bis zu 850 Pferdestärken nicht durstig reagieren? Technisch beantwortet Fendt die Frage mit Leistung bei Bedarf und Enthaltsamkeit im Treibstoffverbrauch durch eine zuschaltbare Leistungsdrossel.

Beispielsweise beim Graseinsatz wird weniger Motorleistung benötigt, um den Häcksler durchs Gelände zu bewegen. Der Landwirt schaltet den Antrieb auf Eco-Modus. Damit reduziert er die Drehzahl des Motors von maximal 1900 U/Min auf 1520 U/Min. Natürlich dürfen sich die temporär abgeschalteten Pferdestärken nicht auf die Häckselqualität auswirken. Das wird dadurch verhindert, dass der Häckslerantrieb mit unveränderter Drehzahl weiterläuft.

Wird Power benötigt, schaltet der Fahrer einfach wieder um. Natürlich alles auf "Knopfdruck" per "Einhandbedienung" über die multifunktionale Armlehne. Mit der Bequemlichkeit für den Fahrer punkten die beiden neuen Katanas auf ganzer Linie.

Auf dem Land arbeiten und Komfort genießen

Vom Fahrersitz aus, natürlich luftgefedert, hat der Fahrer alles im Blick. Er sitzt erhaben und genießt den vollen "Rundumblick" ohne störende blinde Stellen. Die immer relevante Frage, wie voll ist das Begleitfahrzeug, klärt sich ganz ohne den Hals zu verrenken oder aufzustehen. Einmal auf den Touchscreen tippen und die Kamera gibt den Blick nach hinten oder auf den Füllstand des Begleitfahrzeuges frei.

Optimal ernten, keine unnötigen Wege, das will durch jahrelange Erfahrung gelernt sein? Dieser These machen die neuen Katanas einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Per GPS im Automatikmodus erkennt die Maschine selbstständig, wie die Fläche optimal zu ernten ist. Ganz nebenbei speichert das System die Flächenleistung mit allen relevanten Daten zur Auswertung auf 20 cm genau.

Für wen eine solche Maschinenvorstellung kein Highlight der agro 2013 gewesen ist, der ist entweder kein Landwirt oder baut seine Futtermittel nicht selbst an.

Highlight für alle Besucher - Tierschau

Auf 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gab es natürlich nicht nur technische Glanzlichter des modernen landwirtschaftlichen Maschinenparks zu sehen. Viele dieser Maschinen würden wahrscheinlich nicht einmal gebraucht, wenn Tiere nicht der zentrale Mittelpunkt der Landwirtschaft wären. Zum Rahmenprogramm jeder agra zählt die Präsentation der aktuellen Zuchtergebnisse.

Gezeigt werden Tiere aus der Nutztierzucht von professionellen Züchtern und Hobbyzüchtern. Klassisch mit dabei die lokale Pferdezucht, aber ebenso Tiere zur Fleischproduktion und Exoten aus aller Welt. Vom Geflügel bis zum Wasserbüffel reichte die Bandbreite der vorgestellten Nutztierarten. Für Besucher mit Kindern, die nicht in der Landwirtschaft aufwachsen dürfen, eine gute Gelegenheit Berührungsängste zu überwinden.

Gesucht wurde auf der agra 2013 in zahlreichen Einzelausscheidungen der "Grand Champion" der jeweiligen Klasse und Rasse. Einer, der es ganz nach oben auf das (massive) Treppchen schaffte, war der Jungbulle Opal. Stolzer Züchter des Bullen ist Michael Klemm vom Limousinhof aus Hart- mannsdorf-Reichenau (Sachsen).

Traktorfahren - einmal Kür statt Alltagspflicht

Ein dauerhaftes Highlight der agra ist das Traktorfahren für jedermann. Während der vier Messetage stellen lokal ansässige Landmaschinenhändler und Traktorenhersteller ihre Maschinen nicht nur aus. Sie erlauben jedem interessierten Besucher, einmal selbst hinter dem Steuer zu sitzen. Hinaus ging es mit der modernen Landmaschine auf einen extra geschaffenen Traktorparcours mit nicht unbedingt alltäglichen Fahrsituationen.

Traditionell angenommen wird das Angebot, einen aktuellen Schlepper über den Parcours zu steuern, von allen Besuchern. Erwachsenen "Nicht-Landwirten" bietet der Parcours die Möglichkeit hautnah selbst zu erleben, wie es sich anfühlt, eine Großmaschine zu steuern. Viele werden danach als Autofahrer mehr Verständnis und sogar einen gewissen Respekt für Erntemaschinen auf der Straße aufbringen.

Landwirten bietet sich die perfekte Gelegenheit, unterschiedliche Marken und Größen einmal selbst auszuprobieren. Gerade der Traktor ist der Allrounder des Hofes. Die richtige Größe und das passende, bedarfsgerecht ausgelegte Modell zu entdecken, ist keine Selbstverständlichkeit. Auf der agra 2013 standen 11 verschiedene Marken für die Fahrt über den Parcours bereit. Für die Vorauswahl der Maschinengröße und des Fabrikates eine bessere Gelegenheit, als jede Feldprobe.

Jeder Fahrgast bezahlte für seine Traktorfahrt einen kleinen Kostenbeitrag. Insgesamt kamen so auf der landwirtschaftlichen Messe 2013 stolze 2.000 Euro für einen guten Zweck zusammen. Empfängerin des Geldes war in diesem Jahr der Verein Straßenkinder Leipzig e.V., vertreten durch Gabi Edler, die Initiatorin des Vereins.

Geräteträger - Sonderschau auf der agra 2013

Ein weiteres Highlight führte die Besucher zur Sonderschau auf das Freigelände. Gezeigt wurden historische Geräteträger vom Erfurter Ingenieur Egon Scheuch. Er gilt mit seiner Entwicklung der Spinne und es Maulwurfs als Urvater dieser besonderen Traktoren. Die grundsätzliche Idee war einen Traktor zu entwickeln, der für praktisch jeden landwirtschaftlichen Zweck geeignet war. Mit Kastenaufbau/Ladepritsche war der Traktor eine Art selbst fahrender Anhänger.

Ohne Kasten boten die Maschinen Anbaumöglichkeiten sowohl vor der Vorderachse (Kunstdüngerstreuer), unter dem Fahrersitz (Nestpflanzverfahren) sowie hinter dem Fahrer. Offiziell auf Messen vorgestellt wurde der Geräteträger erst nach dem Krieg, obwohl die Idee schon vor dem zweiten Weltkrieg entstand. Ab 1948/49 war der Maulwurf, (RS 08/15) als Versuchsmuster auf Messen präsent.

Im späteren Westdeutschland übernahmen praktisch alle damaligen Hersteller die neue Idee für eigene Geräteträger. Der wahrscheinlich bekannteste Geräteträger aller Zeiten, der bis heute gebaut wird, ist der Unimog.

Was wurde genau gezeigt?

Auf der agra 2013 wurde dem Publikum die Entwicklung der Spinne und des Maulwurfs, bis hin zur Großproduktion, näher gebracht. Eine der vorgestellten Raritäten war die von Scheuch entwickelte Spinne. Außerdem Exponate der Modelle Plantagentraktor RS-28 und GT-123 mit Zetor-Motor. Ein weiteres Exponat besonderer Güte war ein TA-26. Ein Dumper auf Basis eines Geräteträgers.

Wie weit der Maulwurf seiner Zeit voraus war, zeigen Getriebefunktionen und die Antriebsmöglichkeiten für externe Anbaugeräte. Der RS08 verfügte über vier Fahrstufen sowie zwei Gruppenschaltungen. Damit insgesamt über 8 Gänge vorwärts und 8 Gänge rückwärts. Die passende Untersetzung für den Ackerbetrieb stand damit nicht im Widerspruch zur "Zügigkeit" im Straßenverkehr.

Innovativ waren außerdem zwei mit dem Getriebe verbundene Zapfwellenanschlüsse. Sie konnten unabhängig voneinander und sowohl motorgebunden wie weggebunden betrieben werden. Wendigkeit erlangte der Geräteträger durch die Lenkbremse. Eine weitere Besonderheit war, dass die Spurweite unkompliziert an den Bedarf anzupassen war. Im Ackerbetrieb sicherte die optional zu betätigende Differenzialsperre, dass beide Antriebsräder Vorschub boten.

Die Bedeutung der Geräteträgerproduktion für die Landwirtschaft im Osten Deutschlands wird klar, wenn die Verkaufszahlen betrachtet werden. Vom Geräteträger wurden insgesamt etwa 140 000 Fahrzeuge in der ehemaligen DDR hergestellt.

Antworten zur Ernte nachwachsender Rohstoffe

Einen Schwerpunkt legte die Ausstellung auf eine wichtige Herausforderung der Gegenwart. Landwirtschaft und Forstwirtschaft wachsen immer weiter zusammen. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe betreiben nicht nur Ackerbau und Viehzucht, sondern sind mittlerweile auch forstwirtschaftlich aktiv. Neben der Sicherstellung der Ernährung wird immer mehr die Sicherheit der Energieversorgung zum Thema.

Speziallösungen für die Ernte, gerade forstwirtschaftlicher Rohstoffe und Maschinen zur Weiterverarbeitung des Holzes, fordern ganz neue Lösungsansätze. Während vor der Jahrtausendwende noch Handarbeit die Forstwirtschaft dominierte, sind mittlerweile personalsparende Lösungen auf dem Markt. Als Anbaugerät an den Traktor oder als eigenständige Spezialmaschine, günstiger Preis durch Reduzierung des Lohnkostenanteils, bestimmt die Absatzchancen.

Dabei blickt die Zukunft der Landwirtschaft und Forstwirtschaft nicht mehr länger nur auf regionale Absatzmärkte. Bereits heute werden etwa 25 Prozent aller in Deutschland hergestellten Agrarprodukte exportiert. Geschafft wurde diese Exportquote durch den extremen Produktivitätsanstieg in der Landwirtschaft. Veranstaltungen, wie die agra 2013 tragen einen wesentlichen Anteil daran, dass die deutsche Landwirtschaft so wettbewerbsfähig produzieren kann.

Zukunft der agra - gesichert bis mindestens 2021

Besucher, die es nicht geschafft haben die agra 2013 zu besuchen, müssen nicht traurig sein. Maximal zwei Jahre müssen sie sich gedulden, bis sich eine neue Chance zum Besuch der größten Landwirtschaftsmesse Ostdeutschlands ergibt. Grünes Licht bekamen die Veranstalter von der Leipziger Messe für Nachfolger der agra 2013 im zwei Jahresturnus bis einschließlich 2021.

Zum Schluss noch die Eintrittspreise für die agra 2013

Eine Tageskarte kostete 10,00 Euro bei ermäßigtem Eintritt 7,50 Euro. - Als Feierabendkarte nach 15.30 nur 5 Euro. Schüler, Studenten, Azubis zahlten 5 Euro Eintritt. Eine Dauerkarte für alle vier Tage kostete 20 Euro, eine Familienkarte 22 Euro. In Begleitung Erwachsener hatten Kinder unter 12 Jahren freien Eintritt zur agra 2013.